IRONMAN Austria (Klagenfurt) 30.06.2013

Das Motto war: "Nur nicht wieder überpacen wie letztes Jahr!"  Ein Bericht von Thomas Stöckle

Das Motto war: "Nur nicht wieder überpacen wie letztes Jahr!"

 Ein Bericht von Thomas Stöckle

Platz Name Swim Bike
Run
Gesamt
13 Brader, Christian

0:50:45

(40.)

4:43:44

(21.)

2:56:37

(11.)

8:35:41

330 Stöckle, Thomas 0:59:39 (331.) 5:17:12 (510.) 3:33:32 (315.) 9:58:43
523

Blank,

Roland

1:04:56 (739.)

5:07:38 (296.)

3:58:47 (774.)

10:22:05

Obwohl es nur 500 Starter im ersten Block waren, war es ein Hauen und Treten 3,8 Kilometer lang. Künftig werde ich in erster Reihe am Schwimmstart sein....
Meine Schwimmzeit hatte ich in der Hektik nicht wahrgenommen und wechselte sehr locker zum Radfahren. Nach 90 km alles in bester Ordnung. Kein Vergleich zum Vorjahr, wo ich mich völlig verausgabt hatte. Aber heute war es windig und über weite Teile ständig Gegenwind, plus 1.600 Höhenmeter, das kostet Kraft. Auf der 2. Runde am Berg passierte es. Ich merkte es sofort, das kleine fiese Zucken im rechten Oberschenkel! Oh Gott, jetzt nur keinen Krampf! Sofort umschalten auf kleinsten Gang und sanfteste Fahrweise. So hatte ich den ersten der beiden großen Anstiege geschafft, aber der Rupertiberg stand ca. 35 km später noch an... Ich musste viele Gruppen an mir vorbei ziehen lassen, da ich das Tempo nicht halten konnte. So war ich fast 20 km mehr oder weniger alleine und kämpfte gegen Wind und die aufkommende Panik. Am Rupertiberg passierte es dann erneut, aber diesmal hatte es das Schicksal gut gemeint und wollte dass das andere Bein auch noch involviert wird... Also Krampf im linken Oberschenkel. Shit.
Nur mit viel Routine und vorsichtigster Fahrweise, kein Druck obwohl am Berg, konnte der Rupertiberg bewältigt werden und Körner für die weiteren größeren und kleineren Stiche danach gespart werden....
Endlich Klagenfurt. Meine Uhr zeigt einen Split von ca. 5:15 an. Puls prima und ich freue mich endlich auf´s Laufen wechseln zu können. Dank Edi´s effizientem Training gelingt mir ein problemloser Wechsel auf die Laufstrecke. Gefühlt locker laufe ich mit 4:26 an. Puls gut, die Stimmung besser. Bei Kilometer 3,5 sehe ich in ca. 80 Meter Entfernung Roland vor mir auftauchen. Es brauchte nur einen Bruchteil einer ganzen Sekunde, um mich zum stehen zu bekommen. Brachiale Krämpfe in beiden Oberschenkeln! Ich schreie auf vor Schmerz, Wut und Verzweiflung. Ich lehne mich gegen einen Gartenzaun und versuche vergeblich etwas durch dehnen zu bewirken. Nur unbewußt registriere ich, wie die anwesenden Zuschauer mich anstarren und die Athleten, die ich noch eben überholt hatten, mich nun wiederum passieren. Monatelanges Training und Vorbereitungswettkämpfe und dann das. Ich bin fertig. Ende.
Eine kurze Weile später, die dir in diesem Moment wie Stunden vorkommen, kann ich wieder gerade stehen. Ich versuche vergeblich wieder anzulaufen, also versuche ich es mit gehen. Aber noch rund 40 Kilometer gehen? Ich steige aus!
Nach einer weiteren gefühlten Ewigkeit versuche ich es erneut mit laufen. Es gelingt. Vorsichtig und ganz locker (hat bestimmt anders ausgesehen), versuche ich wieder in den Wettkampf zu kommen. Es gelingt.
Roland habe ich ca. 4 Kilometer später wieder im Blickfeld und passiere ihn. Bei Kilometer 12 - gerade als Claudia mich von den Zuschauern aus anfeuert passiert es erneut. Nichts geht mehr. Schmerzen, die ich nicht ohne entsprechendes Gesicht und Schreie für mich behalten kann. Die Muskulatur beider Beine macht völlig dicht. Eine Beobachterin des Geschehens bietet mir Salztabletten an, die ich gerne nehme. Meine sind bis auf eine aufgebraucht.
Ich humpel wieder und wieder an, bis der Motor endlich wieder rund läuft - ich hatte ja schon Übung.
Noch ganze 4 weitere mal macht die Muskulatur zu und zwingt mich zum stehenbleiben.
Doch ich gebe nicht auf. @David, Darren und Luis: die Kondition ist gut aber die Muskeln sind gaga!
Mein Wille lässt sich heute nicht brechen und mein Puls sagt genau das gleiche. Also mache ich weiter und kämpfe bis auf die letzten Meter vor dem Finish. Ich höre nur die Stimme von Gerhard von irgendwo aus den Zuschauern mir zurufen, dass ich noch die zehn Stunden knacken kann.
Blödsinn - denke ich mir.
Finishline
Im Gegensatz zu Gerhard, bin ich nicht in der Lage einen Ironman Zieleinlauf im Handstand abzuschließen. Ich wollte eine Alohawelle und eine rockige Flying Guitar machen.
Gesagt getan. Aber fast wäre ich auf der Finishline umgefallen, denn ein siebtes und letztes mal bocken die Beine! Das Publikum merkt das sofort und befeuert mich mit Zurufen, ich sehe meine Zeit und rette mich über die Ziellinie.
Sub 10!
Spinnt jetzt schon beim Ironman die Zeitnahme???
Ich kann es noch gar nicht glauben.
Überglücklich, mental noch lange nicht geschlagen reiße ich wie viele Athleten vor und nach mir die Arme in die Höhe. Boris Beckerfaust! Yeah!
....und jetzt nur nicht hinsetzen, sonst kommst du nie mehr auf die Beine!

Das erste Bier ein Genuss und ich warte auf Roland im Ziel. Wir umarmen uns. Was für ein Tag!

Epilog
Außer heftigen Muskelschmerzen, die schon am abklingen sind, habe ich keine nennenswerte körperlichen Folgen meines bis dato härtesten Rennens, bei dem ich fast zum Ausscheiden gezwungen worden wäre. Es geht mir gut. Danke mein Körper, Du hast gehalten und ja, ich habe Dir ein Jahr Pause auf der Langdistanz versprochen, die Du wohlverdient bekommen wirst!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

13. Buxachtal-Lauf

powered by